zu den Palmersdorfer Höfen ; nach Dr. Konrad Bund
Der Palmersdorfer Johannishof von Norden aus der Vogelschau (1771). Drittälteste
Gesamtdarstellung. Die eher skizzenhafte, strukturell dennoch eindeutige Wiedergabe
der Architektur des Herrenhauses reduziert die Anzahl der Achsen der zudem
dreigeschossig dargestellten Nordfassade von dreizehn auf sechs.
Ausschnitt aus HAStK, St. Kunibert Akten 13, Karte 98a (1771).
929
März 21 Der Kölner Erzbischof Wichfried verleiht den Fronhof zu Palmerstorp den Nonnen von St. Caecilia in Köln (= Caecilianerhof); Ersterwähnung; REK I 323.
1269
Erste Erwähnung eines Vogtes zu Palmersdorf. Zu dessen Ausstattung gehörte der Vogtshof, der spätere Johannis- und heutige Palmersdorfer Hof.
1680
Der Kölner Kur-Erzbischof Max Heinrich kauft den ehedem zum Caecilianerhof gehörigen Johannishof zur Erweiterung des Umfeldes seines Brühler Tiergartens für 12.000 Reichstaler nebst 1.000 Rt Handgeld.
1750
Der Kölner Kur-Erzbischof Clemens August veranlaßt den Neubau des Herrenhauses des Johannishofes im Stile barocker Herrschaftsarchitektur.
1804
Durch die französische Annexion des Rheinlandes und die Säkularisierung der geistlichen Güter gelangen auch die Palmersdorfer Höfe in weltlichen bzw. privaten Besitz. Der Johannishof wird zunächst Eigentum der 4. Kohorte der Französischen Ehrenlegion.
1810
Okt. 5
Der Kölner Kaufmann und Immobilienspekulant J.B. Boismar ersteigert den Johannishof und verkauft ihn später an die Familie Giesler.
um 1849/50
Auflassung und Abbruch des Caecilianerhofes.
Mitte 19. Jh.
Neubau des Kuhstalles und Umbau (?) des Osttraktes des Johannishofes.
1872
Der Johannishof zu Palmersdorf ist im Besitz der Erben Giesler. Joseph Weygold aus Lövenich bei Zülpich zieht als Pächter auf den Hof, über dessen Gebäulichkeiten ein Befundprotokoll angelegt wird.
?? Die Erben Giesler verkaufen den Johannishof an ?? Troost.
1904
Feb. 9
Friedrich Giesler kauft den Palmersdorfer Hof mit 89 ha 86 ar 88 qm Land von den Erben Troost für 557.500 Mark; Stadt Brühl, Baupolizeibehörde, Bauausführungen Gut Palmersdorfer Hof 1907-1961.
1907/1909
Juni Der Palmersdorfer Hof ist Eigentum der Erben Giesler, vertreten durch Frau Wwe. Joseph Weygold; Baupolizeibehörde, Bauausführungen Gut Palmersdorfer Hof 1907-1961, fol. 1, 6 ff. / 28.
1907-1908
Um- und Neubauten (Stall, Wagenschuppen [Osttrakt, neue Deckenträger], Arbeiterwohnhaus; Baupolizeibehörde, Bauausführungen Gut Palmersdorfer Hof 1907-1961, fol. 1-27.
1909
Neubau Feldscheune [südlich des Baches]; Baupolizeibehörde, Bauausführungen Gut Palmersdorfer Hof 1907-1961, fol. 28-32.
1937
Ludwig Weygold, Palmersdorfer Hof, beantragt den dann genehmigten, aber nicht ausgeführten Anbau einer Waschküche vor der Nordwand der Strohscheune; Baupolizeibehörde, Bauausführungen Gut Palmersdorfer Hof 1907-1961, fol. 35-37.
1941
Umbau des Wohnhausteils; Baupolizeibehörde, Bauausführungen Gut Palmersdorfer Hof 1907-1961, fol. 38-72.
1941
März 11
Bauantrag des neuen Pächters des Palmersdorfer Hofes, Dipl. Landwirt Franz Meyers aus …?, zum Umbau des Wohnhauses (Architekt Granderath); Baupolizeibehörde, Bauausführungen Gut Palmersdorfer Hof 1907-1961, fol. 46-51.
1942
Neubau [der südlich des Baches gelegenen und zuvor abgebrannten] Feldscheune [in der Nähe der Motte]; Baupolizeibehörde, Bauausführungen Gut Palmersdorfer Hof 1907-1961, fol. 73-94.
1943
Anbau Hühnerhaus [beim Bach am Ostende des Südflügels unter abgeschlepptem Dach]; Baupolizeibehörde, Bauausführungen Gut Palmersdorfer Hof 1907-1961, fol. 95-104.
1945
Feb. 18
3 Bombentreffer zerstören oder beschädigen die drei östlichen Achsen der Innenhoffassade des Herrenhauses, den Nordteil des Osttrakts (dort kommen zwei Flüchtlinge aus Ostpreußen zu Tode) und den Schweinestall. Insgesamt entstanden bei verschiedenen Luftangriffen 140-160 Bombentrichter auf den Ländereien des Hofes, alle Dächer des Hofes sind durch eine Luftmine abgedeckt (Theo Meyers).
1945-1951
Als erstes wird das Herrenhaus mit Niedermendiger Bimssteinen (Französische Besatzungszone!) repariert. Ab Sommer 1945 Wiederaufbau der kriegsbeschädigten Teile der landwirtschaftlichen Gebäude (Stallungen) mit Hilfe der Baufirma Mettelsiefen, des Brühler Eisenwerks und des aus Ostpreußen geflohenen Dachdeckers N.N., der nach heimischem Muster provisorische Betondachpfannen fertigt, da Dachziegel nicht zu beschaffen sind; die Bezahlung der auf dem Schwarzen Markt besorgten Baumaterialien und Arbeitsleistungen erfolgt vor der Währungsreform (1948) in Naturalien (Theo Meyers); vgl. auch Baupolizeibehörde, Bauausführungen Gut Palmersdorfer Hof 1907-1961, nach fol. 104; darin:
1947
Nov. 10
Baugenehmigung (Bauschein).
1980
Der Palmersdorfer Hof ist Eigentum von Frau E. Giesler. Laut Pachtvertrag ist der Eigentümer des Hofes verpflichtet, die Hälfte der Kosten für die Unterhaltung der Bausubstanz zu tragen. Hierzu ist er trotz eines vom Pächter Theo Meyers geführten Prozesses nicht bereit. Dies führt zum fortschreitenden Verfall der Hofgebäude.
1981
Apr. 15
Ein Sachverständiger der Industrie- und Handelskammer Köln fertigt eine Zustandsbeschreibung der Gebäude des Palmersdorfer Hofes und stellt neben teilweise schlechtem Erhaltungszustand die Unmöglichkeit einer wirtschaftlichen Stallhaltung bei Beibehaltung der bestehenden Betriebsgebäude fest. Dies bedeutet das Todesurteil für den über 1000 Jahre alten landwirtschaftlichen Betrieb, da der Eigentümer gegenüber dem wiederholten Drängen der Stadt, die Gebäude vor dem Verfall zu bewahren, erklärt, zu den erforderlichen hohen Investitionen nicht in der Lage zu sein. Stattdessen beginnt er Verkaufsverhandlungen, in die sich wegen der für die beabsichtigte Umnutzung als Wohnanlage erforderlichen baulichen Veränderung auch der Landeskonservator einschaltet.
1983
Juni 21
Aufnahme des Palmersdorfer Hofes in die Denkmalliste der Stadt Brühl.
1983
Juli 4
Neville Patrick Giesler, Verwalter des Giesler-Vermögens, verkauft mit Wirkung vom 15. Okt. 1983 den Palmersdorfer Hof samt Grundstück an den holländischen Architekten Gerrit den Heijer / Fa. HaBeGe in Köln, der auf dem Hof eine Wohnanlage errichten will. Als Kaufpreis wird in Zeitungsberichten 1 Mio. Mark genannt, wozu eine weitere Mio. Renovierungskosten kämen. Das Neubauprojekt unter der Leitung des Stolberger Architekten Josef Dzionsko sei mit 10 Mio. Mark kalkuliert (KSTA 16./17. 6. 1983).
1983
Okt. 31
Ende der landwirtschaftlichen Nutzung des Palmersdorfer Hofes, dessen Ackerland in Pacht an den Falkenluster Hof übergeht.
1983
Nov. 1
Beginn der die vorhandene, in erheblichen Teilen allerdings durchaus abgängige oder minderwertige Bausubstanz teils gänzlich beseitigenden, teils grundlegend verändernden Abbruch- und Umbauarbeiten, die etwa 1 Jahr dauern und den dabei in seiner äußeren Kubatur rekonstruierten Hof in eine zu erheblichen Teilen neugebaute Wohnanlage mit 32 Wohneinheiten verwandeln, wobei aber auch nicht wenig erhaltenswerte und bei gutem Willen und etwas Einfallsreichtum auch erhaltbare Substanz besonders im Herrenhaus und in der Strohscheune beseitigt und darüber hinaus viele ebenfalls bewahrbare historische Details achtlos zerstört wurden oder sonst verloren gingen. Auch wenn der Palmersdorfer Hof hierdurch viel von seiner historischen „Patina“ verloren hat, hat er in den seither vergangenen Jahren schon „neue“ Patina angesetzt und erweist sich mit seiner insgesamt dennoch gelungenen Mischung aus „Alt“ und „Neu“ als eine qualitätvolle Wohnstätte für die auf ihm lebenden Menschen. Allerdings besteht weiterhin das Erfordernis, seinerzeit gemachte, besonders ins Auge stechende Mißgriffe (Tür und Treppenflur des Herrenhauses, brutal überschneidender Dachanschluß des Osttrakts) nach Möglichkeit durch vorsichtige „Abmilderung“ zu „entschärfen“.